SEXUALTHERAPIE

 

Sexuelle Funktionsstörungen

Sexuelle Traumatisierung

u.a.

 

Sie lehrte ihn, dass Liebende nach einer Liebesfeier nicht voneinander gehen dürfen, ohne eins das andere zu bewundern, ohne ebenso besiegt zu sein, wie gesiegt zu haben, so dass bei keinem von beiden Übersättigung und Öde entstehe und das böse Gefühl, missbraucht zu haben oder missbraucht worden zu sein.

Hermann Hesse, Siddharta

Ursachen

Sexuelle Funktionsstörungen können seelisch oder körperlich verursacht sein oder durch Medikamente und Drogen mitbedingt sein. Eine einfache Unterscheidungsmöglichkeit zwischen körperlichen und seelischen Ursachen ist z.B. die Frage, ob Lust, Erregung und Befriedigung grundsätzlich problematisch sind, oder aber beispielsweise bei der Selbstbefriedigung der Körper "funktioniert", beim sexuellen Beisammensein in einer Partnerschaft "nicht funktioniert".

Circulus vitiosus

Unabhängig von den Gründen der Funktionsstörung führt das Auftreten von Problemen in der Sexualität oft zu einem so genannten Circulus vitiosus (Teufelskreis). Die Erwartungshaltung, dass beim nächsten Mal wieder etwas "schiefgeht" führt zur Anspannung, zum Leistungsdruck.

Sexuelle Funktionen in unserem Körper werden überwiegend durch das Nervensystem des Vagus (Parasympathicus) gesteuert. Dieses System ist normalerweise für Verdauung und Schlaf zuständig. Tritt eine Situation der Anspannung auf, so schaltet sich das Nervensystem des Sympathicus ein, welches normalerweise für Aufmerksamkeit, Stress und Leistung zuständig ist. Daraus ist erklärbar, warum unter Druck in der Sexualität "nichts mehr geht."

Sexualtherapie in unserer Praxis

Es gibt viele verschiedene sexualtherapeutische Ansätze: tiefenpsychologische, verhaltenstherapeutische, systemische und körpertherapeutische Aspekte.

Bei uns wird nach dem Hamburger Modell der modifizierten Therapie nach Masters und Johnson gearbeitet. Diese entwickelten 1970 in Amerika ein verhaltenstherapeutisches Modell. Mit Übungen wird der Circulus vitiosus durch die Erfahrung eines angenehmen, entspannenden, später auch erregenden Körpergefühls unterbrochen. Am Hamburger Institut für Sexualforschung wurde diese Methode mit tiefenpsychologischen Verfahren kombiniert. Das bedeutet, es ist keine reine Übetechnik mehr, sondern zu Grunde liegende Probleme können beleuchtet und in die Behandlung mit einbezogen werden.

Sexuelle Funktionsstörungen

wenig oder kein sexuelles Lustempfinden, Empfinden von sexueller Langeweile oder Desinteresse

Erregung ist entweder nicht körperlich vorhanden (Erektionsstörungen beim Mann, Lubrifikationsstörungen - mangelndes Feuchtwerden bei der Frau) oder sie ist zwar körperlich vorhanden, wird aber nicht innerlich empfunden, die Erregung steigert sich nur unbefriedigend oder sie bricht ab

ein Höhepunkt ist entweder nicht möglich (Anorgasmie) oder wird nicht als befriedigend erlebt (vorzeitiger Samenerguss, Orgasmus ohne sexuelle Befriedigung)

können auftreten als Vaginismus (schmerzhafte Verkrampfung der Scheidenmuskulatur) oder die so genannte Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die sowohl bei der Frau als auch beim Mann in den Genitalorganen auftreten können)

Suchtphänomene

Sexuelle Zwangshandlungen

Wenn die Möglichkeit zu wählen verloren gegangen ist und ein Gedanke, eine Handlung zwanghaft immer wiederkehrend in den Vordergrund drängen, kann von Sucht gesprochen werden.

Sexuelle Gewalt

Sexuelle Bemerkungen oder Handlungen, die mit der Demütigung des Gegenübers einhergehen, werden oft fälschlich als triebgesteuert angesehen. Sie sind aber im Bereich der Gewalt, des Machtmissbrauchs anzusehen und gehören streng genommen nicht in den Bereich der Sexualität, da diese nur das Mittel zum Zweck ist. Gleichwohl handelt es sich oft um suchtartiges Verhalten.

Sexuelle und geschlechtliche Identität

Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität

Nach unseren gesellschaftlichen Wertvortstellungen ist Heterosexualität die "normale" sexuelle Orientierung. Homosexualität oder Bisexualität werden zwar geduldet aber vom Großteil der Bevölkerung nicht als gleichwertig akzeptiert. In der Folge entstehen Probleme beim Coming Out und in der Identitätsfindung.

Begleitung bei Identitätsproblemen

Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität sind als solche ebenso wenig behandlungsbedürftig wie die von der Mehrheit der Bevölkerung praktizierte Heterosexualität. Es können aber in der Folge der oft schwierigen sozialen Lage Probleme auftreten, die mit der sexuellen Orientierung verknüpft sind. Ebenso können unabhängig von der Identifizierung sexuelle oder psychische Probleme vorhanden sein, bei denen eine therapeutische Begleitung hilfreich ist. Diese Hilfe wird in unserer Praxis angeboten, bzw. es werden Adressen zur Selbsthilfe oder weiteren Behandlung vermittelt.

Sexuelle Traumatisierung

Nach Erfahrungen sexualisierter Gewalt ist es oft schwer, einen lustvollen Zugang zur Sexualität zu gewinnen. Aus Angst vor weiteren Verletzungen oder nur aus Angst vor der Erinnerung an frühere Verletzungen, ist ein Hingeben, Sich-Fallenlassen erschwert oder unmöglich. Häufig treten gerade in intimsten Situationen, die an Nähe, Erregung, Glück gekoppelt sind, Erinnerungsfetzen an das Trauma auf, so genannte Flashbacks. Für die Partnerin/den Partner sind die darauf folgenden Reaktionen von Angst und Abwehr oft unverständlich. Ebenso können Kränkungen innerhalb der Partnerschaft zu erneuten schweren seelischen Verletzungen führen (Sekundärtraumatisierungen), wenn die alten Wunden noch nicht verheilt sind.

Der Körper, der Ort des Sexuellen Missbrauchs war, wird oft abgelehnt. Der berechtigte frühere Mechanismus des Abschaltens, Abspaltens der Gefühle (ich stelle mich tot, ich fühle nichts, mein Ich ist nicht mehr in meinem Körper..... =Phänomen der Dissoziation) wird zum Hindernis, wenn Intimität mit einem geliebten Menschen gewünscht wird.

Sexuelle Heilung nach Traumatisierung bedeutet


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